Ein ergreifendes Buch über Frühförderung und die Überwindung von Angst und Unsicherheit
„Jeder Mensch, schon als Kind, soll als ein notwendiges wesentliches Glied der Menschheit erkannt, anerkannt und gepflegt werden…“
So schrieb einst Friedrich Fröbel, der Gründer des deutschen Kindergartens.
Doch manchmal beginnen für Kind und Eltern schon mit der Geburt schier unlösbare Probleme, wenn das Baby etwa viel zu früh oder mit einer Behinderung zur Welt kommt oder wenn sich im Laufe der Entwicklung deutliche Entwicklungsunterschiede gegenüber Gleichaltrigen zeigen.
Mit ihren Buch „Max, Lena und das Baumhaus“, das Im Januar 2013 im Eigenverlag der Frühförderung Norderstedt erschienen ist, zeigen Helga Kroner (Text) und Marion Vina (Illustration) auf liebevolle und einfühlsame Weise, was Frühförderung überhaupt ist, was sie leistet und dass sie nicht nur auf die spezifischen Bedürfnisse des Kindes eingeht, sondern vor allem auch seine Eltern stark machen und ihnen vielfältige Unterstützung geben kann.
Das Buch erzählt die gleichermaßen lebensnahe wie emotional zutiefst beeindruckende Geschichte des kleinen Max und seiner viel zu früh geborenen Schwester Lena.
Im zweiten Teil schildern Liane Simon, Leiterin der Frühförderung Norderstedt und der Kinderarzt Prof. Dr. med. Olaf Kraus de Camargo die besondere Situation betroffener Familien, beantworten die brennendsten Fragen, die Eltern immer wieder bewegen, und geben viele nützliche Ratschläge.
Max ist 8 Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Vor 3 Wochen wurde seine kleine Schwester Lena geboren, doch Max hat das Baby noch nie gesehen.
Lena liegt noch im Krankenhaus, wo sie an Schläuche, Kabel und viele Geräte angeschlossen ist. Das Mädchen wurde viel zu früh geboren. Lena ist winzig klein und liegt nun in einem Inkubator, einem Wärmebettchen, in dem es genau so warm und weich ist, wie in Mamas Bauch. Nur die Schläuche, Infusionsnadeln und die Kabel überall an Lenas Körper tun ihr weh und deshalb hat das Baby große Angst vor den Ärzten und Schwestern. Lena kann ja noch nicht verstehen, dass all der Aufwand dazu dient, ihr Leben zu retten.
Jeden Tag fahren Max‘ Eltern ins Krankenhaus. Dann liegen Mama und Lena ganz nahe beieinander, eingekuschelt in eine flauschige Decke, und das Baby lauscht Mamas Herzklopfen – genau so, als wäre es noch im Bauch. Mama singt und erzählt mit Lena. So kann das kleine Mädchen die Liebe der Mutter spüren, hören, riechen und sich dabei richtig wohl fühlen.
Tag und Nacht passen Ärzte, Schwestern und die vielen komplizierten Apparate auf Max‘ kleine Schwester auf. Eine Alarmanlage piept und blinkt, wenn es ihr schlechter geht.
Immer, wenn Mama und Papa ins Krankenhaus fahren, ist Max mit Oma allein zu Hause. Dann schaut er oft zum Fenster hinaus und träumt vom dem Baumhaus, das er sich im Sommer gemeinsam mit seinem Freund Tim auf seinem Lieblingsbaum bauen möchte.
Tim will nicht glauben, dass es bei Lena im Krankenhaus aussieht, wie auf einer Raumstation. So jedenfalls stellt Max sich das Zimmer vor, in dem Lena liegt und genau so hat er es seinem Freund geschildert.
Die Jungen machen ein Spiel daraus, versuchen auf diese Weise, zu verstehen und die vielen neuen und manchmal bedrohlichen Dinge, von denen Max‘ Eltern erzählen, zu verarbeiten.
Max‘ Teddy ist nun das Baby von Außerirdischen, das viel zu früh geboren wurde und deshalb ständig überwacht werden muss. Kabel, einen alten Monitor und jede Menge anderer nützlicher Dinge findet Max in Papas Werkzeugkasten. Als Alarmanlage dient sein Polizeiauto.
Als Lena einen Tag vor Weihnachten nach Hause kommt, ist alles ganz anders als Max es sich erträumt hatte:
Alles dreht sich nur um das Baby. Max fühlt sich immer öfter einsam und allein gelassen. Papa geht viel länger arbeiten als früher und Mama macht sich große Sorgen um Lena, die nachts nicht schläft, tagsüber dafür nur still in ihrem Bettchen liegt.
Immer muss Max leise sein, weil Lena große Angst vor Geräuschen und sogar vor ihrem Bruder hat.
Nachts hat Max schlimme Träume, in denen er mit einem Raumschiff abstürzt und sich nirgends festhalten kann.
Mama geht es auch immer schlechter und so beschließen Max und Tim, das Baumhaus allein zu bauen.
Da taucht plötzlich Anna auf. Anna ist eine Frühförderin. Sie soll sich um Lena kümmern – und um Mama. Max ist enttäuscht. Immer nur dreht sich alles um Lena. Doch dann verhindert Anna in letzter Sekunde, dass Max und Tim einen großen Fehler machen.
Anna schimpft überhaupt nicht und verspricht den Jungs, ihnen beim Bau des Baumhauses zu helfen. Dafür soll Max Anna beim Spielen mit Lena unterstützen.
Die Frau von der Frühförderung lässt Max an allem teilhaben, was sie mit Lena tut. Schon bald ist der Junge ein richtiger „Experte“ für Babybetreuung und nun hat Mama auch einmal Zeit für sich und kann sich ein bisschen erholen.
Später darf Max sogar mit in die Spielgruppe der Frühförderung! Dort lernt Lena viele andere Babys kennen, die auch zu früh zur Welt gekommen, krank oder behindert sind. Gemeinsam mit den Frauen von der Frühförderung machen die Babys kleine Spiele und Übungen und haben dabei viel Spaß.
Den „Toberaum“ finden Lena, Max und die anderen Kinder ganz besonders toll und während sie spielen und toben, gibt eine andere Frau den Eltern Ratschläge und Tipps.
Max ist zwar erst 8 Jahre alt, aber er hat genau gespürt, dass Mama zuerst Angst hatte, zur Frühförderung zu gehen. Sie hat sich nämlich ein bisschen geschämt, weil Lena noch so klein und ängstlich ist. Die anderen Eltern würden sicher voller Stolz erzählen, was ihre Kinder schon alles können. Aber in der Frühförderung ist es ganz anders, einfach locker und schön.
Jetzt geht Mama gerne mit Lena zur Frühförderung. Das tut Lena richtig gut - und Mama kann endlich wieder lachen!
Zur Sommersonnenwende, dem längsten Tag des Jahres, ist Max‘ Baumhaus fertig. Papa, Mama, Lena, Max, Tim und noch viele andere Kinder feiern ein großes Fest und Lena hat nun keine Angst mehr und feiert mit!
Wie wichtig eine möglichst frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Eltern, Ärzten und Frühförderung ist, zeigt nicht nur diese kleine, zu Herzen gehende Geschichte. Frühförderung, so Liane Simon, das ist Förderung des Kindes im Spiel, ist aber auch Familienorientierung, die tatkräftige und einfühlsame Unterstützung der Eltern, die natürlich auch bei Kindern mit Förderbedarf stets die Haupterziehungsarbeit leisten.
Dies zu wissen ist vor allem für Alleinerziehende und sehr junge Mütter nach der Geburt des ERSTEN Kindes wichtig, denn oft bestehen hier große Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Entwicklungsprobleme. Dazu kommen Angst, Schuldgefühle oder der Rückzug „in sich selbst“, wenn ständige Vorhaltungen oder Vergleiche mit Gleichaltrigen irgendwann unerträglich werden.
Ab welchem Alter und aus welchen Gründen können Kinder Frühförderung bekommen? Wie erfolgt die Beantragung und ist Frühförderung kostenlos? Was ist ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)? Wie fügt sich Frühförderung in das Familienleben ein? Kann die Frühförderung etwas gegen den Willen der Eltern unternehmen? (Um die Frage gleich zu beantworten: Nein! Sie ist ein Angebot, aber NIEMALS Zwang.)
Diese und noch viel mehr Fragen beantworten Liane Simon und der Kinderarzt Prof. Dr. med. Olaf Kraus de Camargo im zweiten Teil des Buches und nicht zuletzt zeigen einige bewegende Beispiele aus der Praxis, was das bedeutet: „Frühförderung durch neue Spielideen, gezielte Spielimpulse und die Stärkung und Unterstützung der ganzen Familie.“
„Max, Lena und das Baumhaus“ – ein einzigartiges Buch zum Thema Frühförderung. Kompetent und liebevoll gestaltet hinterlässt es beim Leser ein Gefühl der Befreiung, des inneren Aufatmens und der Zuversicht – ganz besonders bei all jenen, die bislang vergeblich nach Hilfe für ihr Kind gesucht haben.
© Mario Lichtenheldt
Kroner, Helga (Autorin) und Vina, Marion (Illustration), Max, Lena und das Baumhaus, Eine Vorlesegeschichte für Kinder und Erwachsene, Eigendruck der Diakonie Frühförderung Norderstedt, 2013, ISBN 978-3-00-040228-9, 92 Seiten, 9,85 EUR zzgl. Versand.
Links:
www.frühförderung-norderstedt.de/buchbestellung.html
www.medicalschool-hamburg.de/veranstaltungen/highlights/buchpraesentation-fruehfoerderung/